Pläne des Bundesgesundheitsministers in der Kritik - Bereits 2009 Milliarden-Rabatte
Börsen-Zeitung, 10.3.2010 swa Frankfurt - In der Pharmaindustrie regt sich heftige Kritik gegen die Pläne zur gesetzlichen Preisregulierung. Die Branche, die schon in den vergangenen Jahren von Zwangsrabatten und Festpreisen betroffen war, sieht den Wettbewerb durch solche Eingriffe weiter gefährdet. Durch neue Regulierungen im Arzneisektor drohen nach Darstellung der Pharmaindustrie sogar höhere statt sinkende Kosten im Gesundheitswesen. Mit Hilfe innovativer Medikamente, bei denen Gesundheitsminister Philipp Rösler Einschnitte plant, ließen sich Behandlungskosten reduzieren, sagte die Hauptgeschäftsführerin des Verbands der forschenden Pharma-Unternehmen (VFA), Cornelia Yzer, laut Reuters in Berlin. Eine Studie im Auftrag des VFA habe ergeben, dass mit dem Einsatz solcher Medikamente in einem frühen Krankheitsstadium allein bei fünf relevanten Volkskrankheiten rund 9 Mrd. Euro gespart werden könnten, weil Klinikaufenthalte, Arbeitsunfähigkeitstage und Komplikationen vermieden würden. Yzer bekräftigte die Bereitschaft der Industrie, in Verhandlungen mit den Krankenkassen innerhalb von zwei Jahren für ein neues Präparat mit mindestens der Hälfte der Kassen einen Preis auszuhandeln. Dies sei ein ehrgeiziges Ziel. "Pharma-Soli" Bundesgesundheitsminister Rösler will sein Konzept zur Senkung der Medikamentenkosten in den nächsten Tagen präsentieren. Nach bisherigen Äußerungen sollen die Hersteller innovativer verschreibungspflichtiger Medikamente künftig ihre Preise nicht mehr selbst festlegen, sondern diese in Verträgen mit den Krankenkassen festzurren. Gelingt dies nicht, soll das Institut für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen (IQWIG) eine Kosten-Nutzen-Analyse erstellen. Es könnten dann zwangsweise Höchstpreise festgelegt werden. Damit sollen die Ausgaben der Kassen um 2 Mrd. Euro vermindert werden. Die Unionsfraktion schlägt zudem einen dreijährigen Zwangsrabatt von 10 % als "Pharma-Soli" vor. Damit könnten bei den Kassen jährlich 1 Mrd. Euro gespart werden, heißt es in Berlin. Im vergangenen Jahr haben die gesetzlichen Krankenkassen knapp 30 Mrd. Euro für Medikamente ausgegeben - knapp ein Fünftel des Gesamtbudgets. Auch wenn die Pläne die meisten Pharmunternehmen treffen werden, sind die großen internationalen Konzerne in überschaubarem Umfang vom Deutschland-Geschäft abhängig. Die Exportquote aus deutscher Produktion liegt bei über 50 %. Die Konzentration hat auch hierzulande zugenommen. Die größten 20 Spieler vereinen mehr als die Hälfte des Marktes auf sich. Nach Informationen des Branchendienstes IMS Health sparten die gesetzlichen Krankenkassen 2009 rund 2,3 Mrd. Euro durch Zwangsrabatte, davon 935 Mill. Euro von Pharmaherstellern und 1,4 Mrd. Euro von Apotheken. Bei den Generika beläuft sich das in Rabattverträgen geregelte Segment bereits auf 60 %. Die forschenden Arzneimittelhersteller weisen stets darauf hin, dass die Entwicklung eines neuen Medikaments 800 Mill. Dollar kostet und die Firmen finanziell in der Lage sein müssen, hier Rückschläge zu verkraften. "Einträgliche Arzneimittelpreise für wirklich innovative Medikamente sind ein Muss, wenn man weiter Innovationen haben will", sagte Merck-Chef Karl-Ludwig Kley zu den Berliner Sparplänen. Keine Showbühne Der Manager äußerte die Hoffnung, dass aus dem IQWIG nach dem Führungswechsel an der Spitze aus einer "reinen Showveranstaltung" ein Institut werde, das eine wissenschaftlich und ökonomisch fundierte Bewertung von Arzneimitteln gewährleiste.
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nach obenDeutsche Post nach schwachem Beginn Tagesgewinner im Dax - Airbus-Mutter EADS unter Druck
Börsen-Zeitung, 10.3.2010 kra Frankfurt - Belastet von Kursverlusten im Bankensektor haben Europas Aktienindizes am Dienstag zeitweise deutlich nachgegeben. Anleger reagierten mit den Verkäufen auf eine Studie von Moody's, in der die Ratingagentur warnte, die Bonität britischer Banken nach dem Auslaufen staatlicher Hilfsprogramme zu prüfen. Unter Druck standen außerdem EADS - und zeitweise auch Deutsche Post. Nachmittags erholten sich die Notierungen aber. Der Dax schloss 0,2 % im Plus bei 5 886 Punkten. Anleger hielten sich allerdings wie bereits am Vortag zurück. Insgesamt summierte sich der Umsatz mit den deutschen Blue Chips auf Xetra lediglich auf rund 2,5 Mrd. Euro. Der Stoxx Europe 50 stieg um 0,1 % auf 2 577 Punkte, ebenso wie der Euro Stoxx 50, der letztendlich bei 2 881 Punkten lag. "Krisen-Tief" vor einem Jahr Exakt vor einem Jahr waren die Indizes im Zuge der Finanzkrise auf ihre Verlaufstiefstände abgerutscht. Der Dax notierte damals nur noch bei 3 589 Zählern. Anschließend setzte eine von neuer Konjunkturhoffnung getragene, Monate währende Kurserholung ein. Nach Einschätzung der BayernLB werden sich die Märkte nun in den kommenden Monaten seitwärts bewegen. Auf Sicht von drei Monaten erwartet Marktanalyst Manfred Bucher den Dax bei 5 800, auf Sicht von sechs Monaten bei 5 900 Zählern. Erst im Schlussquartal traut er dem Index einen Anstieg bis auf 6 300 Zähler zu, wenn sich abzeichne, dass sich die Unternehmensgewinne auch 2011 kräftig erholten. Mit einer starken Verbesserung der Gewinne rechnet Bucher auch schon im laufenden Jahr, allerdings hält er die Prognose des Konsenses, der für den Dax einen Anstieg um 48 % voraussagt, für zu optimistisch. Deutsche Post rutschten nach Veröffentlichung von Geschäftszahlen zunächst bis auf 12,35 Euro ab. Zum Schluss notierten die Titel aber 2,2 % fester bei 13,09 Euro. Der Konzern rechnet damit, dass die zunehmende Konkurrenz durch E-Mails der Briefsparte stärker zusetzt. Daher werde der Betriebsgewinn von 1,4 Mrd. Euro 2009 auf 1,0 bis 1,2 Mrd. Euro sinken. Anleger nahmen dies mit Enttäuschung auf. Es beschwichtigte sie allerdings, dass die Dividende bei 60 Cent je Aktie bleiben und künftig ein Anteil des Konzerngewinns von 40 bis 60 % ausgeschüttet werden soll. EADS verbilligten sich um 2,8 % auf 15,44 Euro. Der Konzern zog sich aus dem Bieterstreit um Tankflugzeuge für die US-Luftwaffe zurück. Im abgelaufenen Jahr erzielte der Konzern trotz gut laufender Flugzeuggeschäfte einen hohen Verlust, eine Dividende ist deshalb erst wieder für das Jahr 2010 geplant. Die Papiere von EADS-Aktionär Daimler fielen um 0,7 % auf 32,77 Euro. Händler setzten dies aber nicht mit dem Dividendenausfall in Verbindung, sie sprachen stattdessen von Gewinnmitnahmen. BMW gewannen dagegen 0,4 % auf 32,13 Euro. Der Konzern meldete für Februar ein Absatzplus von 14 %. Britische Banken im Minus Im Bankensektor büßten Lloyds 0,9 % auf 53,40 Pence ein, RBS 1,2 % auf 38,64 Pence und Standard Chartered 2,8 % auf 1 726,16 Pence. Moody's wies darauf hin, dass die außerordentlichen Stützungsmaßnahmen in den Ratings einiger Institute berücksichtigt seien. Wenn diese Maßnahmen ausliefen, könnten die Ratings der betroffenen Institute sinken, falls sie sich darauf nicht entsprechend vorbereitet hätten. Dieser Hinweis drückte auch auf die Kurse einiger außerbritischer Institute. Société Générale beendeten den Tag 1,5 % tiefer bei 43,65 Euro. Im Zuge der Branchenrotation waren hingegen defensive Pharmawerte gefragt. So stieg die Aktie von Sanofi-Aventis um 0,8 % auf 56,17 Euro. Der französische Pharmakonzern und der US-Konkurrent Merck & Co wollen ihr Geschäft mit Tiermedizin zusammenlegen und zu einem der führenden Akteure in dem rund 19 Mrd. Dollar schweren Markt aufsteigen. Bislang steht der US-Konzern Pfizer in diesem Geschäftsfeld an der Spitze. ---- - Bericht zu EADS Seite 9 - Schwerpunkt Deutsche Post S. 11
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