"Mehr Gleichlauf zwischen Berlin und Brüssel"
Union Investment fordert bessere Abstimmung - Reinke beklagt Störungen im Dialog mit der Politik
Börsen-Zeitung, 4.9.2010 ski/jur Frankfurt - Die genossenschaftliche Fondsgesellschaft Union Investment ruft die Politik zu einer engeren Abstimmung bei Regulierungsvorhaben auf nationaler und europäischer Ebene auf. "Ich wünsche mir dringend mehr Gleichlauf zwischen Berlin und Brüssel", sagte der seit Anfang Juli amtierende Vorstandsvorsitzende des von DZ Bank und WGZ Bank getragenen Asset Managers, Hans Joachim Reinke, im Interview der Börsen-Zeitung. Nicht abgestimmte Regulierungsmaßnahmen seien für die Fondsbranche ein großes Problem. Als ein Beispiel nannte er die Spezialfonds, die in Deutschland ein seit langem anerkanntes und bewährtes Produkt seien, von der Europäischen Kommission dann aber mit der sogenannten AIFM-Richtlinie (Alternative Investment Fund Managers) plötzlich völlig in Frage gestellt worden seien. Kritisch sieht Reinke auch das Vorgehen des Bundesfinanzministeriums namentlich bei der Regulierung der offenen Immobilienfonds. Dieses Beispiel zeige, dass Regulierer und Regulierte immer häufiger aneinander vorbeiredeten. "Die Tatsache, dass das Bundesfinanzministerium - zumindest einzelne Personen dort - mit seinen Plänen unter anderem zur Einführung eines pauschalen Abschlags und von Kündigungs- und Haltefristen in einer Nacht-und-Nebel-Aktion vorgeprescht ist, ohne vorher mit unserer Branche darüber zu sprechen, hat mich schon erschüttert", sagte der Union-Investment-Chef. Dabei müssten eigentlich beide Seiten gemeinsam ein und dasselbe Ziel verfolgen, nämlich den Anlegerschutz. Allerdings seien auch Teile der Fondsbranche nicht schuldlos daran, dass der Dialog mit Berlin nicht mehr so funktioniere wie früher, räumte Reinke ein. Nicht alle Anbieter hätten wie Union Investment und die zum Sparkassenverbund gehörende Deka die gebotenen Konsequenzen aus der Immobilienkrise 2005/2006 gezogen. ---- - Interview Seite 5
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nach obenLufthansa plant für 2010 Dividende - Hohe Belastung durch Luftverkehrsabgabe
Finanzvorstand Stephan Gemkow: Politik überschätzt die Tragfähigkeit des Luftverkehrs
Börsen-Zeitung, 4.9.2010 lis/po Frankfurt - Die Deutsche Lufthansa ist operativ auf Erholungskurs und stellt den Aktionären für das laufende Geschäftsjahr die Wiederaufnahme einer Dividendenzahlung in Aussicht. Das sagte der Finanzvorstand der Fluggesellschaft, Stephan Gemkow, im Interview der Börsen-Zeitung. Für das Verlustjahr 2009 hatte die Airline die Ausschüttung ausfallen lassen. Ergebnisträger des Konzerns ist derzeit das Langstreckengeschäft, "Hebel" für eine positive Ergebnisentwicklung im wichtigsten Geschäftsfeld Passagierverkehr ist die Tochter Swiss. "Ob die Lufthansa Passage selbst auch schwarze Zahlen schreiben kann, lässt sich zu diesem Zeitpunkt noch nicht sagen", so Gemkow. Trotz Weltwirtschaftskrise ist es Lufthansa gelungen, nach dem ersten Halbjahr 2010 auf eine Liquidität von mehr als 5 Mrd. Euro zu kommen. Die Finanzierung neuer Flugzeuge ist vor diesem Hintergrund kein Problem. Die Mittel für Flugzeugfinanzierungen sind laut Gemkow insgesamt knapper geworden und "konzentrieren sich zunehmend auf Unternehmen mit starker Bonität". Davon profitiere die Lufthansa, die zudem Finanzierungskonditionen zahlt, die "deutlich besser sind als die, die eigentlich unserer Ratingkategorie entsprechen". Gemkow rechnet mit einer deutlichen Belastung aus der geplanten Luftverkehrsabgabe. "Wir werden diese Abgabe an die Kunden weitergeben müssen, und das könnte sich durchaus dämpfend auf die Nachfrage auswirken." Die Politik überschätze die Tragfähigkeit der Branche. ---- - Interview Seite 11
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nach obenBanco Santander und die Präsidentenfrage
Der Krankenhaus-Aufenthalt des 75-jährigen Emilio Botín befeuert die Nachfolge-Diskussion
Von Angelika Engler, Madrid Börsen-Zeitung, 4.9.2010 Spaniens größte Bank Banco Santander hat sich unter Präsident Emilio Botín als eine der fünf rentabelsten Banken der Welt etabliert - doch eine Infektion des 75-jährigen Topbankers Anfang August und seine Einlieferung in ein Krankenhaus legten die Achillesferse des derzeit 80 Mrd. Euro teuren Geldhauses bloß: die Nachfolge. Zwar konnte Botín, der das von seinen Vorfahren 1857 gegründete Bankhaus aus der nordspanischen Seebad-Perle Santander seit 24 Jahren leitet, das Hospital nach wenigen Tagen wieder verlassen. Doch in einigen Medien kochten die langjährigen Spekulationen darüber, wer den Präsidenten einmal ablösen werde, hoch. Der Markt indes blieb ruhig: "Der Kurs der Santander-Aktie wäre eingeknickt, wenn die Investoren eine unmittelbare Ablösung von Botín vermutet hätten. Dafür gibt es meiner Meinung nach aber auf kurze bis mittlere Sicht nicht genügend Motive", sagt etwa Nuria Alvarez vom Broker Renta 4. Vizepräsident Matías Rodríguez Inciarte bestätigte Anfang September am Rande einer Konferenz, der Gesundheitszustand von Botín sei "perfekt". Mehrere für diese Tage geplante öffentliche Auftritte hatte der Banker jedoch absagen lassen. Keine Altersgrenze Eine Altersgrenze für den Präsidentenjob gibt es bei Santander nicht. Der als Workaholic bekannte Botín, der am 1. Oktober 76 Jahre alt wird und nicht zuletzt dank seiner Leidenschaft Golf äußerst rüstig wirkt, betont stets, an einen Rückzug nicht zu denken. Für den Fall, dass sich Spaniens einflussreichster Manager dann doch einmal zurückzieht, dürfte das Board der Bank zumindest in groben Zügen längst einen Nachfolgeplan haben. Solange dieser nicht bekannt ist, gilt in der Gerüchteküche seine Tochter Ana Patricia Botín als "natürliche Nachfolgerin". Von den sechs Kindern Botíns ist sie dasjenige, das sich am stärksten in die Bankenwelt einarbeitete und seit 2002 die 88-prozentige Santander-Tochter Banco Español de Crédito (Banesto) als Präsidentin führt. Botíns Wille dürfte es sein, dass das Erbe des von seinen Vorfahren 1857 gegründeten Geldhauses weiter in Händen der Familie liegt. Aktionäre fochten in der Vergangenheit diesen Umstand nicht an, obwohl der Präsident laut dem jüngsten Eintrag bei der spanischen Börsenaufsicht von Anfang Juli lediglich 0,9 % des Kapitals besitzt und Boardmitglied Ana Patricia weitere 0,1 %. Größere Anteile halten etwa Credit Suisse (4,6 %), Blackrock (4,77 %) oder Capital Research and Management Company (5 %). Die 49-jährige Botín, so spekulieren Finanzportale, könnte im Falle eines Abdankens ihres Vaters entweder direkt den Chefsessel einnehmen oder vor diesem Aufstieg zunächst noch einmal eine "Lehrzeit" als Chief Executive Officer von Santander einlegen. Das dürfte nicht zuletzt auch davon abhängen, welche Pläne der aktuelle CEO Alfredo Sáenz zu jenem Zeitpunkt haben wird. Sáenz, nach erfolgreicher Sanierung des 1993 intervenierten und von Santander aufgekauften Banesto seit 2002 Botíns rechte Hand, wird im November 68 Jahre alt. Falls Sáenz den Ruhestand vorziehen sollte, handeln einige Beobachter den Portugiesen Antonio Horta Osorio, derzeit Chief Executive Officer der britischen Tochter Banco Santander UK (Abbey u. a.), als Topkandidaten für den CEO-Posten unter einer Präsidentin Botín. Javier Marín, der das Private-Banking-Geschäft von Santander leitet, soll ebenfalls Chancen haben. Wer auch immer irgendwann einmal in Botíns Fußstapfen treten könnte, müsste über ähnliche Visionen und Professionalität verfügen wie dieser Ausnahmebanker. Schweres Erbe Nicht nur der Markt erwartet, dass die Erfolgsgeschichte von Banco Santander, der noch Ende der achtziger Jahre lediglich Spaniens Nummer 7 war und in nur 20 Jahren den Sprung an die Weltspitze schaffte, weitergeschrieben wird. Auch Botín sowie Sáenz selbst haben schon die nächsten Ziele anvisiert: In Deutschland bereitet das ruhelose Führungsteam nach dem Kauf des Retailgeschäfts der SEB nun den Durchbruch als Wholesale-Bank vor. Dabei müssen sich die deutschen Geldhäuser auf ähnlich aggressive Strategien gefasst machen wie jene, mit denen man in Spanien den Markt immer wieder aufmischt. Auch in den anderen Hauptmärkten Großbritannien, den USA und Lateinamerika mit Starperformer Brasilien hat die Großbank keine Absicht, sich auf Erreichtem auszuruhen: Allein die jüngsten Zukäufe in diesem Sommer zeugen von der Umtriebigkeit der Retailbank. Für jedweden Nachfolger ein schweres Erbe.
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nach obenKlinik-Privatisierungswelle kommt nicht ins Rollen
Kommunen scheuen Konflikte in der Vorwahlzeit - Vor allem kleinere Häuser im Angebot
Von Sabine Wadewitz, Frankfurt Börsen-Zeitung, 4.9.2010 Die öffentlichen Kassen sind leer, doch vor dem Verkauf ihrer Krankenhäuser schrecken viele Kommunen noch zurück. Hemmschuh ist trotz des aufgestauten Investitionsbedarfs zur Modernisierung der Häuser aus Sicht von Beobachtern die große Zahl an Kommunal- und Landtagswahlen im kommenden Jahr. Im Wahlkampf will die Politik nicht mit dem sensiblen und meist emotional geführten Thema der Gesundheitsversorgung konfrontiert werden. Vielen Landesfürsten sitzt das Scheitern des Rhön-Klinikums im November vergangenen Jahres in den Knochen, als die Privatisierung dreier Krankenhäuser im niederbayerischen Landkreis Rottal-Inn in einem Bürgerentscheid abgelehnt worden war. Berater empfehlen, Krankenhausverkäufe am besten in den ersten Wochen der Legislaturperiode auf den Weg zu bringen. Somit dürfte die Privatisierungswelle weiterhin auf sich warten lassen. Auch wenn jüngst einige kleinere Übernahmen unter Dach und Fach gebracht wurden, mit Blick auf interessante größere Häuser ist der Markt noch nicht in Bewegung geraten. Die Käufer begnügen sich mit 150-Betten-Kliniken, die ihr Netz arrondieren. So hat unlängst die Fresenius-Tochter Helios ihr Klinikportfolio in Niedersachsen ergänzt mit der Übernahme des Kreiskrankenhauses St. Marienberg in Helmstedt mit 270 Betten. Die von Finanzinvestoren gesteuerte Klinikgruppe Ameos, die bei diesem Deal unterlegen war, hat im Juni den Zuschlag für das Krankenhaus in Alfeld, ein Haus mit 170 Betten, erhalten. Eine der größeren Transaktionen brachte der Sana unter Dach und Fach, indem die orthopädische Fachklinik Rummelsburg mit 400 Betten übernommen wurde - aus bislang konfessioneller Trägerschaft. Auch Asklepios hat mit dem Erwerb der Krankenhausgesellschaft Schwandorf in diesem Jahr um 330 Betten erweitert. Hoffen auf Uni-Klinik Die kleineren Häuser am Wegesrand werden mitgenommen, wenn sie in das bestehende Kliniknetzwerk des jeweiligen Unternehmens passen. Auf dem Wunschzettel stehen jedoch Projekte in ganz anderen Dimensionen. So hoffen die privaten Betreiber seit Jahren auf eine Privatisierung des Klinikums Dortmund - dort setzt die Kommune jedoch auf alternative Finanzierungsformen möglichst ohne Teilprivatisierung. Hoffnungen ruhen auch auf einer möglichen Privatisierung der Universitätskliniken Kiel und Lübeck mit über 2000 Betten, die zweite Uniklinik, die nach Marburg-Gießen auf den Markt kommen könnte - und aus Imagegründen besonders begehrt ist. Hier dürfte vor allem Helios versuchen, zum Zug zu kommen, nachdem in Marburg-Gießen dem Wettbewerber Rhön-Klinikum das Feld überlassen werden musste. Eine relativ neue Entwicklung ist es, dass sich freigemeinnützige Träger von ihren Kliniken trennen. Davon profitieren jedoch nicht zwangsläufig die privaten Ketten, denn gesucht werden auch Kooperationen mit Häusern in kommunaler Trägerschaft. Die Kostenstruktur der mächtigen privaten Wettbewerber, die hohe Synergien im Einkauf heben können, ist in kleinen Partnerschaften aber kaum zu realisieren. Krankenhausberater weisen auch darauf hin, dass Baukosten um 15 bis 20 % sinken, wenn das öffentliche Vergaberecht nicht zur Anwendung kommen muss. Als Alternative zur Privatisierung setzen immer mehr Kommunen auf regionale Partnerschaften mit benachbarten Kliniken in öffentlich-rechtlicher Trägerschaft. Diese Zusammenschlüsse würden professioneller, ist im Markt zu hören. Dabei suchen in der Regel größere Krankenhäuser in ihrem Umfeld Allianzen mit den kleineren Einheiten in der Nachbarschaft. Einfach sind aber auch die kommunalen Annäherungen nicht. So hatte kürzlich der Kreistag des baden-württembergischen Landkreises Rottweil entschieden, die beiden defizitären Kreiskrankenhäuser in Schramberg und Rottweil nicht zu privatisieren, sondern sie mit dem gesünderen Krankenhaus der Stadt Oberndorf zu einer Holding zusammenzuführen. Nach Informationen der Regionalpresse wurden Gebote von Helios und Mediclin ausgebremst. Der Oberndorfer Gemeinderat hat die kommunale Lösung jedoch nicht goutiert. Stattdessen wolle sich die Stadt selbst um einen "finanzkräftigen und verlässlichen" Partner für ihr Krankenhaus bemühen, das keine Verluste schreibe. Die Anziehungskraft zwischen kommunalen Kliniken wird auch vom Kartellamt gedämpft. Vor einem Jahr haben die Wettbewerbshüter der Gesundheit Nordhessen Holding, an der Stadt und Landkreis Kassel beteiligt sind und die im Großraum Kassel sechs Krankenhäuser mit 1 700 Betten betreibt, die Übernahme der Gesundheitsholding Werra-Meißner untersagt. Dieser gehören zwei Krankenhäuser mit 500 Betten in Eschwege und Witzenhausen. Begründung: Der Zusammenschluss hätte zur Verstärkung der bestehenden marktbeherrschenden Stellung der Gesundheitsholding Werra-Meißner geführt. Auch wenn die Fusion kommunaler Häuser politisch gewünscht ist, das Kartellamt setzt die gleichen Kriterien zur Abgrenzung des relevanten Marktes wie bei den privaten Betreibern an. Diese jedoch können bundesweit auf Einkaufstour gehen, während die kommunalen Träger auf ihr regionales Umfeld beschränkt sind. Noch kein Käufermarkt Da noch kein Privatisierungsschub in Sicht ist, können die wenigen Verkäufer noch vieles in den Vertragskonditionen diktieren, und die Käufer schlucken noch größere Kröten als vor fünf bis zehn Jahren. Üblich sind noch lange laufende Beschäftigungsgarantien und Angebote, bei denen nicht 100 % der Anteile erworben werden können - die Kommunen behalten einen Fuß in der Tür. Diese Usancen können Privatisierungsprojekte jedoch beschleunigen oder überhaupt erst möglich machen. Geduld kann sich für den Erwerber auszahlen. So hatte sich Sana beim Kreiskrankenhaus Hameln 2007 zunächst auf eine Minderheitsposition von 49 % beschränken müssen, konnte in diesem Jahr aber eine Option ausüben und auf 51 % gehen.
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