Red. Berichte v. 04.02.12

szmtag
Wirtschaftsweise Weder di Mauro wechselt zur UBS
Hornbach-Finanzchef lehnt Zukäufe strikt ab
Nette Überraschung
Bilfinger baut Nigeria-Beteiligung ab
Hutchison greift nach Orange Austria


Wirtschaftsweise Weder di Mauro wechselt zur UBS

Börsen-Zeitung, 4.2.2012

lz Frankfurt - Die "Wirtschaftsweise" Beatrice Weder di Mauro wird in den Verwaltungsrat der Schweizer Großbank UBS wechseln und hat deshalb ihren Abschied aus dem Sachverständigenrat für die Begutachtung der gesamtwirtschaftlichen Entwicklung angekündigt. Um jeden Anschein eines Interessenkonfliktes zu vermeiden, habe sie der Bundesregierung mitgeteilt, für die in wenigen Wochen anstehende neuerliche Berufung nicht mehr zur Verfügung zu stehen, teilte ihr Lehrstuhl an der Universität Mainz mit.

Der Chef der "Wirtschaftsweisen", Wolfgang Franz, bedauerte den überraschenden Abschied Weder di Mauros. Neben ihr wird im Mai auch die Zürcher Wirtschaftsanwältin und Teilzeit-Professorin Isabelle Romy für den UBS-Verwaltungsrat nominiert. Der frühere Bundesbank-Chef Axel Weber holt sich damit für seinen eigenen Start an der Spitze des UBS-Verwaltungsrates weiteren Sachverstand. Weber soll ebenfalls im Mai zum obersten Kontrolleur der mit Verlusten und Imageproblemen kämpfenden Bank werden.

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Hornbach-Finanzchef lehnt Zukäufe strikt ab

Komplizierte Aktienstruktur gegen Kritik verteidigt

Börsen-Zeitung, 4.2.2012

md Frankfurt - Die Aktienstruktur der Hornbach-Gruppe gehört zum Kompliziertesten, was deutsche Kurszettel zu bieten haben. Das will auch Roland Pelka, Finanzvorstand der Holding, nicht beschönigen. Dennoch verteidigt er im Interview der Börsen-Zeitung die Aufteilung der Dachgesellschaft in Stamm- und börsennotierte Vorzugsaktien sowie das Listing von Stämmen des Teilkonzerns Baumarkt: Hornbach sei ein "familiengeführtes" Unternehmen, betont Pelka. Durch die Konstruktion habe die Gründerfamilie die unternehmerische Kontrolle über die Gruppe, auch ohne die Kapitalmehrheit zu besitzen. Davon habe der Konzern in hohem Maße profitiert, etwa indem Strategien konsequent umgesetzt und nicht zugunsten kurzfristiger Erfolge geändert wurden. Mit Blick auf den ums Überlebenden kämpfenden Rivalen Praktiker weist Pelka darauf hin, dass Hornbach nie mit Rabatten oder Lockvogelangeboten gearbeitet habe. Der CFO glaubt aber "nicht, dass Praktiker vom Markt verschwindet". Der Finanzchef macht klar, dass Hornbach, die Nummer 4 unter den deutschen Baumarktbetreibern, auch künftig nicht durch Zukäufe wachsen wird.

Kingfisher, der größte Baumarktbetreiber in Europa, hat nach Angaben von Pelka nicht mehr die Absicht, sich von seiner Minderheitsbeteiligung an Hornbach zu trennen.

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- Interview Seite 11



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Nette Überraschung

Für die europäischen Anleger war es eine nette Überraschung zum Wochenende: Der US-Aktienmarkt hat sich im Januar in einem ausgesprochen positiven Zustand präsentiert. Mit 243 000 zusätzlichen von den US-Unternehmen gemeldeten Jobs ist die Konsensschätzung weit übertroffen worden. Die Arbeitslosenquote ist auf ein Dreijahrestief von 8,3 % gesunken. Und bei der Befragung der privaten Haushalte, auf deren Basis die Berechnung der Arbeitslosenquote ruht, ist sogar herausgekommen, dass im Januar netto 847 000 Amerikaner mehr in Lohn und Brot standen als im Dezember. Das ist eine erstaunlich hohe Zahl.

Damit hat sich nun klar bestätigt, dass die konjunkturelle Lage in den USA längst nicht so düster ist, wie sie noch vor dem Jahreswechsel erschien. Die Arbeitsmarktzahlen dürften auch die Zweifel zerstreuen, die zuletzt aufgrund einiger weniger positiv ausgefallener US-Makrodaten entstanden waren. Und auch in Europa dürfte der Optimismus der Anleger weiter zunehmen. Dies hat sich am Freitag daran gezeigt, dass der Dax weiter zulegen konnte, und zwar um immerhin 1,7 % auf 6 767 Punkte - trotz der bereits fast schwindelerregenden Performance, die er seit Jahresbeginn gezeigt hat. Der deutsche Leitindex ist seit Anfang Januar um sage und schreibe 14,7 % geklettert. Dies ist nicht nur der beste Auftakt seit Einführung des Index im Jahr 1988. Es handelt sich sogar um das bislang beste Jahr seit 1973 - solange brauchbare simulierte Rückrechnungen für den Dax existieren.

Vom Jahrestief abgesetzt

Auch der Euro hat bislang profitiert. Er hat sich in den vergangenen Handelstagen mit Kursen oberhalb von 1,32 Dollar wieder deutlich vom bisherigen Jahrestief per Mitte Januar von 1,26 Dollar gelöst (siehe Chart). Dass er am Freitag mit nur noch knapp über 1,31 Dollar eine gewisse Schwäche zeigte, sollte nicht beunruhigen: Die amerikanischen Arbeitsmarktzahlen stützen kurzfristig, wie zu erwarten war, eher die US-Devise.

Für die Eurozone sollten sich die Anleger allerdings darüber im Klaren sein, das die Reaktionen an den Kapitalmärkten nicht allein auf die sich aufhellende konjunkturelle Lage zurückzuführen ist. Vermutlich ist der Effekt der gigantischen Liquiditätsspritzen der Europäischen Zentralbank (EZB) stärker. Dafür spricht jedenfalls, dass die aktuelle Saison der Quartalsberichte der Unternehmen diesseits des Atlantiks nicht übermäßig positiv ausgefallen ist - was die Aktienanleger aber derzeit kaum interessiert. Zu fragen ist also, wie lange noch die Investoren die durchaus vorhandenen negativen Faktoren komplett ausblenden. So ist es derzeit zwar denkbar, dass der Dax bis auf 7 000 Punkte oder sogar knapp darüber vorrückt. Ein solches Niveau dürfte aber nicht nachhaltig sein. Die meisten Analysten haben daher Dax-Kursziele für das Ende des ersten und des zweiten Quartals von teilweise deutlich unter 7 000 Punkten postuliert. Und auch beim Euro rechnen die meisten Experten zumindest für das erste Halbjahr nicht damit, dass dieser gegenüber dem Greenback noch weitere und vor allem nachhaltige Bodengewinne erzielt.

Griechenland belastet

In der gerade beendeten Handelswoche hatten der europäische Aktienmarkt und die Gemeinschaftswährung auch von der Hoffnung profitiert, dass die Beteiligung der Banken an der Umschuldung Griechenlands festgezurrt werden kann. Da nun aber ein für den Montag geplantes Treffen der EU-Finanzminister abgesagt worden ist, erscheint eine schnelle Einigung als eher unwahrscheinlich. EU-Diplomaten warnen bereits nachdrücklich, dass die Zeit abläuft. Und selbst wenn es zu einer Einigung in den Verhandlungen kommt, ist noch nicht klar, wie hoch die Quote ist, mit der beim Schuldentausch mitgemacht wird. Der Erfolg der Umschuldung ist also auch nach einer Einigung noch nicht sicher.

Zudem bereitet auch die immer größer werdende Finanzlücke Griechenlands Sorgen. Statt 130 Mrd. Euro muss das zweite Hilfspaket jetzt bis zu 150 Mrd. Euro schwer werden. Dies hat die Frage einer Einbeziehung der EZB aufgeworfen, wobei sich die Notenbank aus durchaus verständlichen Gründen dagegen sperrt.

Wenn sich die obersten Notenbanker der Eurozone am Donnerstag zur Zinssitzung treffen, werden sie somit aller Voraussicht nach nichts beschließen, das den Märkten weiteren Auftrieb gibt. Eine weitere Zinssenkung gilt als unwahrscheinlich. Auch dürfte wohl noch nicht ein dritter Langfristtender zum weiteren Ausbau der Liquiditätsversorgung der Eurozone beschlossen werden. Es könnte am Donnerstag höchstens Andeutungen in dieser Richtung geben, denn die Versorgung der Realwirtschaft der Eurozone mit Krediten - eine wichtige Größe, die die Zentralbanker im Blick haben - war zuletzt nicht besonders üppig. Ob allein vage Hinweise auf einen weiteren Tender ausreichen, um die Märkte anzutreiben, ist jedoch fraglich.

(Börsen-Zeitung, 4.2.2012)



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Bilfinger baut Nigeria-Beteiligung ab

Vorstandschef Koch: Verkaufserlös netto 20 Mill. Euro - Aktie auf Rekordkurs

Börsen-Zeitung, 4.2.2012

po Frankfurt - Der Mannheimer Dienstleistungs- und Baukonzern Bilfinger Berger hat sich in Nigeria von einem Teil seiner Beteiligung an Julius Berger Nigeria getrennt. 10 % der Anteile gingen an das nigerianische Unternehmen Nestoil, so dass Bilfinger Berger künftig noch mit 39,9 % an der börsennotierten Julius Berger engagiert ist. Die Beteiligungshöhe soll aber weiter sinken.

Dem deutschen Konzern fließen aus der Transaktion im ersten Quartal 20 Mill. Euro netto zu. Vorstandschef Roland Koch wollte sich aber auf Fragen der Börsen-Zeitung noch nicht festlegen, ob dieser Sonderertrag bei der Dividendenentscheidung Berücksichtigung für das gerade begonnene Geschäftsjahr findet. "Es ist eindeutig zu früh, um über die Dividende für das Geschäftsjahr 2012 zu sprechen", so Koch.

Die im MDax geführte Aktie von Bilfinger Berger notiert mit derzeit 73,51 Euro nur noch wenig unter ihrem langjährigen Hoch vom Juni 2007 mit 74,20 Euro. "Bilfinger Berger hat auch in einem zuletzt schwierigen wirtschaftlichen Umfeld zuverlässig agiert und gute Ergebnisse erwirtschaftet", begründet Koch die aktuell hohe Bewertung. Grundsätzlich gehe es darum, die Aktionäre davon zu überzeugen, langfristig in Bilfinger Berger engagiert zu sein. Seit Herbst 2012 verfügen die Mannheimer mit dem Finanzinvestor Cevian über einen Großaktionär, der 12,6 % der Anteile hält.

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- Gespräch Seite 12



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Hutchison greift nach Orange Austria

Übernahme für 1,3 Mrd. Euro - Konsolidierung im österreichischen Mobilfunkmarkt

Das Hongkonger Konglomerat Hutchison Whampoa stärkt mit einem Zukauf seine Position auf dem österreichischen Mobilfunkmarkt. Von France Télécom und Mid Europa Partners erwirbt es den drittgrößten Anbieter Orange.

Börsen-Zeitung, 4.2.2012

nh Schanghai - Das Hongkonger Konglomerat Hutchison Whampoa bringt Bewegung in den österreichischen Mobilfunkmarkt und übernimmt dort den drittgrößten Anbieter Orange Austria von France Télécom (35 %) und der Private-Equity-Gesellschaft Mid Europa Partners (65 %). Nach langwierigem Ringen setzt sich der Hutchison 3G genannte Mobilfunkarm des vom Hongkonger Milliardär Li Ka-shing geführten Mischkonzerns mit einem auf knapp 1,3 Mrd. Euro taxierten Deal durch. Dabei wird allerdings keine genaue Aufteilung des Unternehmenswerts auf Eigen- und Fremdkapital bekannt gegeben.

Laut einer Mitteilung von Hutchison wird deren österreichische Einheit Hutchison 3G Austria netto nur 900 Mill. Euro leisten, weil Orange Austria nach Komplettierung des Deals Aktiva über 390 Mill. Euro, darunter insbesondere der lokale Mobilfunk-Billiganbieter Yesss an Telekom Austria, weitergereicht werden. Hutchison wird bei der Transaktion von der Investmentbank J.P. Morgan beraten, während Morgan Stanley für das Verkäufertandem agiert.

An der Hongkonger Börse scheint das Engagement von Hutchison als Schnäppchen aufgefasst worden zu sein. In einem seitwärts tendierenden Markt legte die Aktie des Hutchison-Konglomerats nach Bekanntgabe der Transaktion um 3,7 % auf 76,65 HK-Dollar zu.

Analysten sprechen von einem wichtigen Durchbruch der in einer Reihe von weiteren europäischen Ländern (Dänemark, Großbritannien, Italien, Irland, Schweden) jeweils mit Nischenanbietern vertretenen Hutchison 3G auf dem österreichischen Markt. Dort wird Hutchison 3G Austria in Verbindung mit Orange Austria bei rund 2,8 Millionen Kunden auf einen Marktanteil von etwa 22 % (nach bislang knapp 10 %) kommen und im Wettbewerb mit den Marktführern Telekom Austria sowie der Deutsche-Telekom-Tochter T-Mobile Austria gestärkt. Gleichzeitig avisiert Hutchison, dass die Zusammenlegung der Aktivitäten Synergien auf Ebene der Kosten wie auch der Sachinvestitionen von insgesamt etwa 500 Mill. Euro jährlich generieren wird.

Die im Jahr 2003 lancierte Hutchison hat sich über die Jahre mit einem Sammelsurium von Mobilfunkbeteiligungen über ein Gesamtengagement von geschätzten 28 Mrd. Euro bislang schwergetan, auf einen grünen Zweig zu kommen, weil sich der Aufbau von teuren 3G-Mobilfunknetzen mit relativ schwachen Marktpositionen in den europäischen Märkten nur sehr träge amortisieren lässt. Nach den sich auf über 150 Mrd. HK-Dollar belaufenden "Anlaufverlusten" seit 2003 hat Hutchison 3G für das Geschäftsjahr 2010 erstmals einen geringfügigen operativen Gewinn auf Ebit-Basis (Gewinn vor Steuern und Zinslasten) ausgewiesen.

Marktbeobachter rechnen damit, dass die über reichlich Barreserven verfügende Hutchison Whampoa in diesem Jahr eine Reihe von größeren Akquisitionen in Europa tätigen wird und dabei nicht zuletzt vom Verkaufsdruck bei europäischen Adressen mit angegriffenen Bilanzen profitieren dürfte.

Rückzug von France Télécom

Zu solchen kann auch France Télécom gerechnet werden, die sich einer Portefeuillebereinigung verschrieben hat. Im Dezember hatte sie bekannt gegeben, sich von ihrer schweizerischen Mobilfunktochter Orange Switzerland zu trennen, die für 1,6 Mrd. Euro an die britische Beteiligungsgesellschaft Apax Partners gehen soll. Darüber hinaus will sich France Télécom auch aus dem portugiesischen Markt verabschieden.

Abseits der Telekomaktivitäten hat sich Hutchison Whampoa, die vor allem noch im Energiesektor, Einzelhandel, Immobilien, und Hafenbetrieb tätig ist, im Verbund mit anderen von Li Ka-shing kontrollierten Gesellschaften in Europa vor allem mit Akquisitionen im Versorgungswesen hervorgetan (siehe Tabelle).



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