Red. Berichte v. 13.03.10

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Angst vor der Zinswende
IPO-Kandidaten stehen Schlange
Deutsche Bank gibt Kapitalaufbau Vorrang - Bedarf für Sal. Oppenheim über 3 Mrd. Euro
Berlin reklamiert positive Resonanz auf EWF-Vorschlag
VW streichelt Belegschaft mit Bonus
Dax vor dem Sprung aufs Jahreshoch


Angst vor der Zinswende
Der deutsche Aktienmarkt hat die beendete Börsenwoche mit einem kleinen Aufschlag von 1,2 % beim Dax leicht freundlich beendet. Getragen wurden die Kurse bisher von einer recht erfreulichen Quartalssaison und dem Nachlassen der Ängste hinsichtlich der Auswirkungen der griechischen Schuldenkrise, sodass nun die Marke von 6 000 Punkten beim deutschen Leitindex in greifbare Nähe gerückt ist. Sie dürfte in der neuen Woche genommen werden. Das Sentiment der Marktteilnehmer ist aber dennoch nur sehr beschränkt zuversichtlich. Es gibt eine Reihe von Faktoren, die die Stimmung belasten und verhindern werden, dass die Rally wieder auflebt und zu einer Dynamik wie im vergangenen Jahr zurückfindet. So begrenzt eine dürftige konjunkturelle Entwicklung der Eurozone das Potenzial für den Aktienmarkt. Für 2010 erwarten beispielsweise die Volkswirte der Unicredit in der Eurozone ein mageres Wirtschaftswachstum von gerade 0,9 %. Zum Vergleich: Die USA sollen zumindest auf 2,5 % kommen. Dass Deutschland zwar immerhin 1,5 % erreichen könnte, ist angesichts der starken Exportorientierung der deutschen börsennotierten Unternehmen auch nur ein schwacher Trost. Das Problem der Eurozone liegt dabei nach Einschätzung der Unicredit-Analysten in einer schwachen Konsumnachfrage. Mehr als eine Stabilisierung des Konsums ist auch im laufenden Jahr wohl nicht drin. Der Aufschwung dürfte damit praktisch ausschließlich von den Exporten getragen werden, sodass die konjunkturelle Entwicklung alles andere als nachhaltig ist. Ein Anziehen des Konsums ist nach Ansicht der meisten Ökonomen erst 2011 drin. Langer Atem Dies ist vor dem Hintergrund zu sehen, dass praktisch alle europäischen Staaten ihre Staatsverschuldung deutlich reduzieren müssen. Eine Politik der Schuldenreduzierung wird den finanziellen Spielraum der Regierungen stark einschränken. Ein gutes Beispiel ist Griechenland: Kräftige Ausgabenkürzungen und saftige Steuererhöhungen drohen die Konjunktur abzuwürgen. Zwar müssen andere EU-Staaten nicht im gleichen Ausmaß auf die fiskalpolitische Bremse treten. Spürbar dürfte der Effekt aber dennoch sein. In diesem nicht sonderlich erfreulichen Marktumfeld kommt noch ein weiterer Faktor hinzu. Es herrscht nach wie vor Unsicherheit, welchen Kurs die Notenbanken unter Führung der Federal Reserve einschlagen werden. Eine Beibehaltung der aktuellen Politik des äußerst billigen Geldes und der fast unbegrenzten Liquiditätsausstattung der Märkte ist wegen der damit verbundenen Risiken auf Dauer nicht denkbar. So würde die immer noch überbordende Liquidität wie schon in den Vorjahren zu einer Kette von Mini-Bubbles führen, wobei die Gefahr besteht, dass diese wieder in eine große Überbewertungsblase und bei deren Platzen in eine neue Krise mündet. Hinzu kommt die Aussicht steigender Inflationsraten, die über kurz oder lang ein Gegensteuern der Zentralbanken erfordern. Gift für die Märkte Nach Überzeugung der Experten der WestLB ist aber bereits ein lediglich rhetorischer Schwenk in der Geldpolitik der Fed Gift für die Märkte. Bislang hat die US-Notenbank, deren Offenmarktausschuss sich am Dienstag zur geldpolitischen Sitzung trifft, seit rund einem Jahr in den Kommuniqués zu den Zinsentscheiden gebetsmühlenartig wiederholt, es sei für eine "ausgedehnte Zeitspanne" ("extended period") mit einem ungewöhnlich niedrigen Leitzinsniveau zu rechnen. Gegen diese Formulierung hatte mit dem geldpolitischen Falken Thomas Hoenig, dem Präsidenten der Fed-Filiale von Kansas City, bislang nur ein einzelner prominenter US-Notenbanker aufbegehrt. Inzwischen, so die WestLB, regt sich bei weiteren Mitgliedern des Offenmarktausschusses Unwille, sodass damit zu rechnen ist, dass die Fed am Dienstag oder spätestens in der Sitzung vom 27./28. April zu einer unbestimmteren Formulierung übergehen dürfte, die ihr Spielraum für einen Kurswechsel möglicherweise bereits im Herbst lässt. Die Zinssitzung der Fed dürfte damit für die Aktienmärkte das entscheidende Ereignis der neuen Woche werden. Sollte die US-Notenbank tatsächlich die Zinswende einläuten, wären Verluste programmiert. (Börsen-Zeitung, 13.3.2010)

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IPO-Kandidaten stehen Schlange
Vor Ostern vier Börsengänge geplant - Brenntag-Chef setzt auf Expansionskurs
Börsen-Zeitung, 13.3.2010 wb Frankfurt - Vier Börsenkandidaten antichambrieren derzeit bei den institutionellen Investoren. Kabel Deutschland (KDG), Brenntag, Tom Tailor und Joyou wollen allesamt das Zeitfenster nutzen, das sich nach Ansicht von Investmentbankern derzeit geöffnet hat. Für den 22. März hat sich KDG angesagt, eine Woche später könnte dann der Chemiedistributeur Brenntag sein Debüt geben. Dazwischen schiebt sich die Textilkette Tom Tailor, die sich am Freitag auf den 26. März festgelegt hat. Den 30. März hat der chinesische Sanitärarmaturenhersteller Joyou für seine Premiere vorgemerkt. "Wir haben ein stabiles Geschäftsmodell, das weitgehend unabhängig ist von der zyklischen Chemieindustrie," wirbt Brenntag-Chef Stephen Clark im Gespräch mit der Börsen-Zeitung. Die Resonanzen aus den Vorgesprächen mit institutionellen Anlegern "sind sehr positiv", berichtet Jürgen Buchsteiner, der Finanzchef des MDax-Kandidaten. Die 750 Mill. Euro als Mindest-Emissionsvolumen, die Banker als Größenordnung des Initial Public Offering (IPO) nennen (vgl. BZ vom 5. März) könnten auch übertroffen werden. Aus der Platzierung einer Kapitalerhöhung erwartet Buchsteiner Erlöse von 500 Mill. Euro. "Wir gehen nicht zur reinen Entschuldung an die Börse, sondern wollen uns mit einer neuen Kapitalstruktur mehr Flexibilität in der Finanzierung sichern", sagt er. KDG sieht, falls der Börsengang kommt, keinen Euro, da die Gesellschafter um Finanzinvestor Providence Kasse machen wollen. Die Spanne liegt bei 21,50 bis 25,50 Euro. Das Emissionsvolumen beträgt zwischen 645 Mill. (unteres Ende der Spanne ohne Greenshoe-Ausübung) und 880 Mill. Euro (oberes Ende mit Mehrzuteilungsoption). Den Brenntag-Börsengang organisieren Deutsche Bank und Goldman Sachs. Deutsche Bank, Morgan Stanley , J. P. Morgan und UBS stehen KDG zur Seite. Als Rechtsberater haben Brenntag sowie KDG Freshfields Bruckhaus Deringer mandatiert. Die Banken lassen sich von Hengeler Mueller (KDG) und Sullivan & Cromwell (Brenntag) begleiten. Das Textilunternehmen Tom Tailor will die Preisspanne für die maximal 24,7 Millionen Aktien aus einer Kapitalerhöhung und bis zu 1 Million Aktien von den Altgesellschaftern während der zweiwöchigen Präsentation vor Investoren festlegen. ---- - Wertberichtigt Seite 8 - Berichte Seite 9

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Deutsche Bank gibt Kapitalaufbau Vorrang - Bedarf für Sal. Oppenheim über 3 Mrd. Euro
Finanzchef ruft zur Harmonisierung der Bilanzierungsregeln auf - "Keine Spekulation auf Staatsbankrott"
Börsen-Zeitung, 13.3.2010 ski/bn/mel Frankfurt - Die Deutsche Bank gibt angesichts der absehbaren regulatorischen Herausforderungen dem Aufbau zusätzlichen Kapitals absoluten Vorrang vor einer hohen Ausschüttung. Die Aktionäre hätten eindeutig Verständnis dafür, dass die Bank zunächst thesauriere, sagte Stefan Krause, Vorstandsmitglied und Chief Financial Officer (CFO), im Interview der Börsen-Zeitung: "Das Feedback ist durchweg positiv. Die institutionellen Aktionäre wissen es zu schätzen, dass wir mit langfristiger Perspektive die Fundamente dieses Hauses stärken." Die Deutsche Bank hat der Hauptversammlung für das Geschäftsjahr 2009 eine Anhebung der Dividende von 50 auf 75 Cent je Aktie vorgeschlagen und will damit nicht einmal 10 % ihres Gewinns von 5 Mrd. Euro ausschütten. Vor der Finanzkrise war auf mittlere Sicht eine Ausschüttungsquote von 50 % in Aussicht gestellt worden. Krause wies darauf hin, dass die Aktionäre von der Wertaufholung der Deutsche-Bank-Aktie profitiert hätten, wiewohl es im Vergleich zu früheren Höchstständen noch erhebliches Aufholpotenzial gebe. Doch liege der Bank sehr daran, die Aktionäre auch mit der Dividende angemessen am Gewinn zu beteiligen. "Von dieser Politik gibt es keine grundsätzliche Abkehr. Wir hoffen, dass wir mit unserer Ausschüttung möglichst schnell wieder an die Zeit vor der Krise anknüpfen können, sobald die Eigenkapitalausstattung den künftigen neuen Anforderungen entspricht." Gemessen an ihrer Zielmarke verfügt die Bank über rund 7 Mrd. Euro an zusätzlichem Eigenkapital. Doch sei die Integration der übernommenen Filialen von ABN Amro in den Niederlanden und der gesamten Sal.-Oppenheim-Gruppe mit einem gewissen Kapitalbedarf verbunden. Allein für Sal. Oppenheim könne man von einem Bedarf von mehr als 3 Mrd. Euro ausgehen. Krause: "Und irgendwann könnte die Akquisition der Postbank auf der Agenda stehen." Hinzu kämen die Auswirkungen der regulatorischen Änderungen, und dann wolle die Bank auch wieder wachsen und Chancen nutzen, die sich in der Nachkrisenzeit ergäben. "Es wird also nicht an vernünftigen Verwendungszwecken für unser Eigenkapital mangeln", sagte Krause. Der Finanzchef rief die Standardsetzer der Rechnungslegung zur Harmonisierung der Bilanzierungsregeln auf. "Die fehlende internationale Vergleichbarkeit der Rechnungslegung ist das Thema, das uns in unserer täglichen Investor-Relations-Arbeit am meisten zu schaffen macht." Die Investoren hätten einen Anspruch auf Konsistenz und Vergleichbarkeit der Bilanzierung. "Der Religionskampf zwischen den Verfechtern der verschiedenen Accounting Standards hilft niemandem." Weiter sagte Krause, die Deutsche Bank rechne nicht mit einem Staatsbankrott in Europa und spekuliere auch nicht darauf, "weder am Markt für Kreditausfallversicherungen noch am Devisenmarkt". ---- - Interview Seite 5

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Berlin reklamiert positive Resonanz auf EWF-Vorschlag
Schäuble will Hilfen aus dem Fonds auf unvermeidbare Notfälle beschränken - Austritt aus der Währungsunion als "Ultima Ratio"
Börsen-Zeitung, 13.3.2010 wf/cr Berlin/Brüssel - Als grundsätzlich positiv stuft die Bundesregierung die internationalen Reaktionen auf den Vorschlag von Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble (CDU) für einen Europäischen Währungsfonds (EWF) ein. "Die Befürworter scheinen in der Mehrheit", sagte Schäubles Sprecher vor der Presse in Berlin. Der Minister hatte in einem Zeitungsbeitrag seine Vorstellungen zu einem EWF konkretisiert. Danach könnte dieser Mitgliedern der Eurogruppe Liquiditätshilfen beschränkt auf "unvermeidbare Notfälle" gewähren, um die Gefahr von Zahlungsausfällen einzudämmen. Zugleich müssten dafür strikte Auflagen und eine prohibitive Bepreisung durchgesetzt werden. "Die politische Entscheidung über Hilfen sollte in der Eurogruppe im Einvernehmen mit der Europäischen Zentralbank erfolgen", schrieb Schäuble. Das betroffene Land könnte zudem von der Beratung und Entscheidung ausgeschlossen werden. Nothilfen könnten auch zwingend an verschärfte Sanktionen im Defizitverfahren gekoppelt werden. Bußgelder würden unmittelbar verhängt und nach Abschluss des Hilfsprogramms und Ablauf einer Karenzzeit gegen das Mitgliedsland ohne jeden Regressanspruch vollstreckt. Eine Gewährung von Notliquiditätshilfen dürfe aber keineswegs vorweggenommen werden, betonte Schäuble. "Die Möglichkeit einer staatlichen Insolvenz muss grundsätzlich bestehen bleiben." Damit die Währungsunion voll handlungsfähig bleibe, müsse das Stimmrecht eines nicht kooperativen Mitgliedstaates in der Eurogruppe ausgesetzt werden. Wenn sich ein Euro-Mitgliedstaat letztlich nicht imstande sehen sollte, seine Wettbewerbsfähigkeit wiederherzustellen und die öffentlichen Haushalte zu sanieren, sollte er als Ultima Ratio auch aus der Währungsunion ausscheiden können, betont Schäuble. Die Vize-Regierungssprecherin Sabine Heimbach stellte klar, dass der Beitrag Schäubles mit Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) abgestimmt sei. Entgegen anders lautenden Berichten gebe es keinen Dissens zwischen beiden. Bundeswirtschaftsminister Rainer Brüderle (FDP) hatte bereits eigene ähnliche Vorschläge gemacht, wie der Fonds gestaltet werden könnte. Schäuble stellt in dem Beitrag klar, dass sein Konzept "in keiner Weise" auf die aktuelle Situation und die konkreten Maßnahmen zur Stabilisierung der Lage in Griechenland gemünzt sei. Nicht auf EU-Agenda Der Präsident der Eurogruppe, Jean-Claude Juncker, führte unterdessen aus, das Thema EWF stehe nicht auf der Tagesordnung für das Treffen der Finanzminister der Euro-Staaten am 15. März. Erst müsse die EU-Kommission einen formellen Vorschlag unterbreiten. Laut Diplomaten wird darüber aber am Rande der Eurogruppe diskutiert werden. Ein Sprecher der Kommission sagte auf Anfrage, die EU-Behörde habe noch kein Datum für einen offiziellen EWF-Vorstoß. Zunächst wolle Wirtschaftskommissar Olli Rehn weitere Stellungnahmen der Mitgliedstaaten abwarten. Bislang gebe es nur den Schäuble-Beitrag. Der Sprecher unterstrich aber, die Kommission stehe einem Instrument zur Sicherung der Finanzstabilität der Währungsunion aufgeschlossen gegenüber. Er machte zudem deutlich, die EU-Behörde werde in Kürze ihre Vorschläge für eine engere Koordinierung der Wirtschaftspolitiken in Euroland vorlegen. Außerdem wolle Brüssel die Reformanstrengungen der einzelnen Staaten strikter überwachen. Dazu wolle die EU-Behörde jene Instrumente stärker nutzen, die - wie Verwarnungen - mit dem Lissabon-Vertrag neu geschaffen wurden. Mit der engeren wirtschaftspolitischen Abstimmung und der verbesserten Governance will die Kommission den Stabilitäts- und Wachstumspakt stärken, um Wettbewerbsfähigkeit sowie die Solidität der Haushalte in den Euro-Staaten zu verbessern. Direkte Änderungen am Pakt plane Brüssel aber nicht, betonte der Sprecher. Die Vorschläge der Kommission sollen rechtzeitig zum informellen Treffen der EU-Finanzminister und Notenbanker Mitte April in Madrid vorliegen.

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VW streichelt Belegschaft mit Bonus
Von Lieferanten werden höhere Preisnachlässe eingefordert - Eindeckung in Vorzugsaktien
Börsen-Zeitung, 13.3.2010 po Frankfurt - Der Wolfsburger VW-Konzern hat auch am Freitag die Gemüter bewegt. Die Aussicht auf eine bescheidenere Kapitalerhöhung veranlasste Investoren zu Eindeckungen in Vorzugsaktien. Zugleich wurde bekannt, dass die VW-Beschäftigten mit einem Bonus wegen der vielen 2009 notwendigen Sonderschichten bei Laune gehalten werden sollen. Die Zulieferer müssen sich dagegen warm anziehen. Die stärkere Modularisierung im VW-Fahrzeugbau mit Baukästen und Plattformen führt zu höheren Bestellmengen für Gleichteile. Wer als Zulieferer künftig weiter für den Wolfsburger Konzern tätig sein will, kann somit zwar mit höheren Stückzahlen - zwischen 3 und 5 Millionen Einheiten - rechnen, muss dafür aber auch über das branchenübliche Maß von 3 bis 5 % hinaus gehende Preisnachlässe bieten, berichtet Reuters. Zudem fordere VW Vorabzahlungen, die im Zuge der Lieferungen wieder verrechnet würden. "Die Zulieferer, die überhaupt in die Endauswahl gekommen sind, kaufen sich damit quasi ein ", klagte ein Manager eines Zulieferers. Für viele in der Krise mit knappen Mitteln ums Überleben kämpfende Zulieferer könnten sich die VW-Forderungen als Zwang zum Marktausstieg erweisen. Wer aber einen Zuschlag erhält, dürfte sich auf Jahre über die Auslastung seiner Kapazitäten wenig Gedanken machen müssen. Lohn für große Leistung Nachdem die VW-Aktionäre für das Krisenjahr trotz eines heftigen Gewinneinbruchs mit einer nur moderaten Kürzung ihrer Dividende bei der Stange gehalten werden, sollen nun auch die VW-Beschäftigten gestreichelt werden. Betriebsratschef Bernd Osterloh sagte gegenüber dpa: "Der Vorstand und wir waren in unseren Gesprächen der Auffassung, dass man den großen Einsatz der Belegschaft im vergangenen Jahr honorieren muss." Deshalb sollen 100 000 Beschäftigte der Volkswagen AG und der Financial Services je 1 200 Euro, insgesamt also 120 Mill. Euro, als Bonus erhalten. Darüber hinaus gibt es bei VW eine Regelung aufgrund früherer Lohnzurückhaltung, dass die Inlandsbeschäftigten mit 10 % des operativen Erfolgs der Marke VW Pkw beteiligt werden sollen. Hier werden weitere 1 275 Euro je berechtigtem Beschäftigten verteilt. Das ist allerdings deutlich weniger als für 2008, als die VW-Beschäftigten insgesamt 270 Mill. Euro oder 4 100 Euro je Person in zwei Raten überwiesen bekamen (vgl. BZ vom 17.3.2009) Die VW-Vorzugsaktie setzte auch zum Wochenschluss bei sehr hohen Umsätzen ihren Aufwärtstrend, wenn auch von Gewinnmitnahmen eingebremst, fort. Bei Xetra-Schluss notierten die im Dax enthaltenen Vorzüge bei 69,99 Euro um 1,9 % fester. Auch die Stammaktien gewannen 1,4 % auf 74,43 Euro zu. Nach wie vor fand die Ankündigung des Autokonzerns, die geplante Kapitalmaßnahme auf die Refinanzierung des Einstiegs bei Porsche zu begrenzen, positive Resonanz. Dass vermutlich die unmittelbare Kapitalverwässerung durch Nutzung einer Wandelanleihe auf Vorzugsaktien zudem begrenzt werden soll, wurde allseits begrüßt. Verschiedene Analysten setzten ihre Kursziele für VW-Vorzugsaktien herauf oder bestätigten ihre Kaufempfehlung. Nomura beispielsweise gibt nun 89 (zuvor 82) Euro als Kursziel vor. Die Nord/LB dagegen rät mit Kursziel 60 Euro zum Verkauf. Grund: Sie erwartet Kursrückschläge nach dem jüngsten kräftigen Plus.

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Dax vor dem Sprung aufs Jahreshoch
An den Aktienmarkt kehrt Optimismus zurück - Strategen glauben wieder an starkes erstes Halbjahr
Von Thorsten Kramer, Frankfurt Börsen-Zeitung, 13.3.2010 Vor dem Wochenende noch knapp daran gescheitert, rechnen Aktienstrategen fest damit, dass der Dax in der neuen Handelswoche über 6 000 Punkte vorrücken und dann das Jahreshoch vom 11. Januar von 6 094 Zählern attackieren wird. Ebenso optimistisch zeigen sie sich für den Euro Stoxx 50, der das Jahreshoch von 3 044 Punkten ins Visier nehme. Basis der Zuversicht ist die leichte Entspannung innerhalb der Europäischen Währungsunion, in der die Angst vor einem Staatsbankrott vorerst gewichen ist, nachdem Griechenland am Anleihemarkt einen Titel mit zehnjähriger Laufzeit platzieren konnte. Der Erfolg der Griechen habe die Investoren beruhigt, heißt es nun. Ablesen lässt sich das auch daran, dass die Spreads der Credit Default Swaps (CDS), mit denen sich Anleger vor einem Bankrott Griechenlands und anderer Länder mit finanziellen Problemen absichern können, in den vergangenen Tagen schrumpften. Underperformance läuft aus Die Sorge um die Verfassung Griechenlands hatte insbesondere den Dax und den Euro Stoxx 50 belastet. Nun sollte sich die Underperformance der beiden Indizes auflösen, was auf weiteres Erholungspotenzial für die in den Indizes notierten Aktien hindeute, argumentiert die Landesbank Berlin. In der abgelaufenen Handelswoche zog der Dax bereits um 1,2 % auf 5 945 Punkte an; in der Spitze rückte er am Freitag gar bis auf 5 990 Punkte vor. Der Euro Stoxx 50 stieg binnen einer Woche um 0,7 % auf 2 898 Zähler. "Die Chancen auf eine Fortsetzung der zyklischen Hausse sind insgesamt günstig", sagt Markus Reinwand, Marktanalyst der Helaba. Hoffnung macht, dass der Kursanstieg sehr breit angelegt ist. Die Landesbank Berlin stellt fest, dass das vor dem Jahreswechsel prognostizierte starke erste Halbjahr an der Börse "wieder in greifbare Nähe gerückt" sei. Mut schöpfen die Optimisten daraus, dass sich das kurzfristige technische Bild an den Märkten stark verbessert habe. Zudem sorgten die hohen Dividendenzahlungen für zusätzliche Attraktivität der Aktien: Der Dax weist aktuell eine Dividendenrendite von etwas mehr als 3,1 % auf, die Rendite der zehnjährigen Bundesanleihe liegt nur minimal darüber. "Dies ist aus Aktienanlegersicht im historischen Vergleich überdurchschnittlich attraktiv", sagt Manfred Bucher, Aktienanalyst der BayernLB. "Im Durchschnitt seit 1977 betrug die Dividendenrendite des Dax nur etwas weniger als die Hälfte der Rendite zehnjähriger Bundesanleihen." Gegenbewegung im Frühjahr Eine starke Belastung durch eher schwächere Konjunkturdaten für das erste Quartal fürchtet Helaba-Analyst Reinwand nicht, weil im Frühjahr mit einer konjunkturellen Gegenbewegung zu rechnen sei. Dennoch halten viele Marktteilnehmer das Potenzial der Aktienkurse für begrenzt, selbst wenn den Indizes zunächst noch ein weiterer Anstieg gelingt. Die mit dem Thema Griechenland verknüpfte Unsicherheit dürfte als Belastungsfaktor zurückkehren, meint Michael Köhler, Aktienstratege der LBBW, weil der Schwerpunkt der griechischen Refinanzierungen in den kommenden Monaten April und Mai anstehe. "Damit besteht vorerst wenig Raum für einen weiteren Rückgang der Risikoaversion", sagt er. In der neuen Woche steht die Sitzung der US-Notenbank am Dienstag im Fokus. Die Bank of England veröffentlicht einen Tag später das Protokoll der Sitzung vom 3. und 4. März. Auf Konjunkturseite richten Anleger das Augenmerk auf Daten zur Industrieproduktion und Kapazitätsauslastung sowie auf neue Zahlen vom Häusermarkt in den USA. In Deutschland ist der ZEW-Index am Dienstag als einziger Indikator von Relevanz für die Märkte. Die Berichtssaison läuft allmählich aus. Linde und BMW wollen noch detaillierte Zahlen vorlegen, zudem steht das Jahresergebnis der Unicredit auf der Agenda.

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