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Sonderbeilagen
Sich vom Tafelsilber zu trennen, fällt schwer
Kapitalisierung von geistigem Eigentum als Instrument einer modernen Unternehmensfinanzierung
Börsen-Zeitung, 21.6.2008<p/>Das Leasing von Autos, Maschinen und IT ist heutzutage bereits eine Selbstverständlichkeit. In den vergangenen zwei Jahren lässt sich nun auch ein Trend hin zur Kapitalisierung von Intellectual Property Rights (IPR) erkennen. Die restriktive Kreditvergabe der Banken seit Inkrafttreten von Basel II und ein erhöhter Liquiditätsbedarf der Unternehmen haben dazu geführt, dass gerade Mittelständler auf der Suche nach Alternativen zur klassischen Hausbankfinanzierung sind.<p/>Immaterielle Wirtschaftsgüter wie Marken und Patente machen heute bereits mehr als 50 % eines Unternehmenswertes aus und gelten somit inzwischen als wichtigster Wertfaktor in innovativen Unternehmen. Kein Wunder bei 60 585 neu angemeldeten Patenten und 72 321 neu angemeldeten Marken allein im Jahr 2005 in Deutschland. Folgt man diesen Zahlen des Deutschen Patent- und Markenamts (DPMA), ist Deutschland somit Spitzenreiter bei neuen Erfindungen in Europa und befindet sich auch im internationalen Vergleich nur knapp hinter den USA und Japan.<p/>Dass der Wert von Marken und Patenten in der Wahrnehmung von Unternehmen, Wirtschaft und Politik immer mehr zunimmt, zeigt auch die Diskussion um den Entwurf des Bilanzrichtlinienmodernisierungsgesetzes, der eine Änderung des § 248 Abs. 2 HGB vorsieht, wonach zukünftig auch die Kosten für die Entwicklung von selbst geschaffenen immateriellen Vermögensgegenständen in der Bilanz aktivierungspflichtig werden. Wird dies realisiert, ist ein wichtiger Schritt getan, um die rechtliche Grundlage für die Finanzierung von immateriellen Wirtschaftsgütern zu schaffen.<p/>Weiterhin ist es erforderlich, einheitliche Bewertungsstandards für immaterielle Wirtschaftsgüter festzulegen. Vor allem Unternehmen, deren Wertschöpfung hauptsächlich durch immaterielle Wirtschaftsgüter generiert wird, haben dadurch bessere Möglichkeiten, ihre Marken und Patente auch zu Geld zu machen und in ihre Finanzierungsstrategie einzubeziehen. Denn oftmals erscheinen selbst werthaltige IPRs nur als symbolischer Betrag in der Bilanz und reflektieren damit nur unzulänglich den tatsächlichen Wert des Unternehmens.<p/>Doch wissen viele Unternehmen oftmals selbst gar nicht, welche Werte sie eigentlich in ihrem Besitz haben. Dabei liegen die Vorteile der Kapitalisierung von geistigem Eigentum klar auf der Hand: Liquiditätssteigerung, Hebung von stillen Reserven und eine geringere Kapitalbindung. Durch die Refinanzierung über ein spezielles Asset-Backed-Commercial-Paper(ABCP)-Programm direkt am Kapitalmarkt können zudem die Kreditlinien bei Banken geschont werden, was gerade im Hinblick auf Basel II ein interessanter Ansatzpunkt ist.<p/>Das frische Geld aus der Kapitalisierung von immateriellen Vermögensgegenständen kann dabei in strategische Projekte wie Produktentwicklung, Marktausbau oder Akquisitionen investiert werden und somit als innovatives Instrument der Wachstumsfinanzierung dienen.<p/>Bei einer Sale-and-lease-back-Transaktion von immateriellen Wirtschaftsgütern gehen zwar formal die Rechte an die Leasinggesellschaft über, doch kann der Verkäufer die Marke oder die Patente weiterhin uneingeschränkt nutzen und sich das Recht sichern, diese nach Beendigung der Laufzeit wieder zurückzukaufen.<p/>Das erste Markenleasing dieser Art fand in Deutschland vor rund zwei Jahren statt, als der Spirituosenhersteller Asbach seine Marke Underberg an eine Leasinggesellschaft im Sale-and-lease-back-Verfahren verkaufte. Kurze Zeit später verschaffte sich der Zeitschriftenverlag b & d media Network AG mit solch einer Sale-and-lease-back-Konstruktion liquide Mittel, und das erste Leasing eines Zeitschriftentitels war besiegelt. Der Titel dieses Fun-Sport-Magazins gehört nun formal der Comprendium Financial Services Gruppe in München, doch liegen die Nutzungsrechte weiterhin beim Verlag. Anders als bei einem Investor beeinflusst die Transaktion weder die Redaktion, noch hat sie Auswirkungen auf die Gestaltungsmöglichkeiten des Magazins.<p/>Dabei waren die Voraussetzungen für diese Transaktion optimal. Denn das b & d-Portfolio war im Zuge der Übernahme durch die VVA-Gruppe bereits beurteilt worden, was Grundvoraussetzung für die Finanzierung von IPRs ist. Somit war ein großer Teil der Aufgaben wie die monetäre Bewertung des Titels bereits im Vorfeld erledigt worden, und einem schnellen Vertragsabschluss innerhalb weniger Tagen stand nichts mehr im Wege.<p/>Hierbei wird ein entscheidender Faktor deutlich, der vor einer Kapitalisierung von geistigem Eigentum erforderlich ist: Damit eine Finanzierung überhaupt erst möglich ist, muss zuerst der Wert der Rechte durch ein Marken- bzw. Patentbewertungsinstitut festgelegt sowie eine rechtliche Prüfung der Eintragung vorgenommen werden.<p/>Aber nicht nur Bewertungskriterien und rechtliche Aspekte sind ausschlaggebend für die Finanzierung, sondern auch eine gesunde Bonität des Unternehmens ist Voraussetzung. Das Sale-and-lease-back-Verfahren bei Marken und Patenten ist keinesfalls ein letzter Rettungsanker für in Not geratene Unternehmen, sondern vielmehr eine moderne Alternative der Unternehmensfinanzierung.<p/>Inzwischen werden außergewöhnliche Leasingobjekte wie Kunstgegenstände, Adressen und Zeitschriften finanziert. Ähnlich wie für das beim IT-Leasing übliche Life-Cycle-Management der gesamten Prozesskette wird es zukünftig auch verstärkt zum Ausbau des Dienstleistungsangebots im Leasing von immateriellen Vermögensgegenständen kommen.<p/>Ein umfangreiches IP-Management von der Finanzierung bis zur Wertsteigerung von immateriellen Vermögensgegenständen ist gerade für Mittelständler mit immer neu anzumeldenden Patenten interessant. Comprendium arbeitet hier mit Experten aus dem Bereich Marken- und Patentbewertung wie dem Patentbewertungsinstitut Patev um Prof. Dr. Alexander Wurzer zusammen.<p/> <p/> Noch langsames Herantasten<p/><p/><p/> Diese ganzheitliche Betreuung ist ein wichtiger Bestandteil der Finanzierung und auch Wertsteigerung der Rechte, da das Finanzierungskonzept die Erweiterung und Optimierung des Patentportfolios bzw. die stetige Steigerung der Markenwertschöpfung erlaubt. Denn dabei werden alle neuen Rechte in den bereits bestehenden Vertrag miteinbezogen, und Unternehmen können sich innerhalb dieses Finanzierungsrahmens immer wieder neue Liquidität verschaffen.<p/> Immaterielle Wirtschaftsgüter auch als ein Finanzierungsinstrument einzusetzen, gewinnt bei Unternehmen zunehmend an Bedeutung. Vor allem für Mittelständler wird es immer attraktiver, aus ihrem geistigen Eigentum Geld zu machen, um sich einen Liquiditätszufluss und somit einen Wettbewerbsvorsprung zu verschaffen.<p/>Aber dennoch wagen sich viele erst langsam an diese Variante der modernen Liquiditätsbeschaffung heran. Schließlich bedeutet Marken- und Patentleasing auch, sich von seinem geistigen Eigentum - seinem Tafelsilber - zu trennen, und das fällt vielen noch schwer. Um aber von Leasing profitieren zu können, müssen Unternehmer vom besonders in Deutschland tief verankerten Eigentumsdenken Abschied nehmen.<p/>Gerade in Zeiten starken Wachstums eignet sich eine Finanzierung über immaterielle Vermögenswerte, da Projekte und Expansionen durch den Liquiditätszufluss vorangetrieben werden können. Die Palette an finanzierbaren IPRs reicht dabei von mittelständischen Unternehmen mit technischen Patenten bis hin zum Leasing von Vereinsmarken im Sportbereich.<p/>Wie sich das Leasing von Marken und Patenten weiterentwickeln wird, hängt zum einen von der Gesetzgebung und der Festlegung von Standards zur Bewertung ab und zum anderen - was viel entscheidender ist - von der Bereitschaft der Unternehmen, sich von ihren immateriellen Schätzen zu trennen, wenn auch nur auf Zeit.
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